Verstopfung bei Diabetikern


Viele ältere Menschen klagen über Magen-Darm-Probleme und besonders häufig treten diese bei Menschen mit Diabetes auf. Deren Lebensqualität kann durch eine chronische Verstopfung (" Obstipation") deutlich vermindert sein. Studien zufolge leiden bis zu 70 Prozent aller ambulant betreuten, älteren Diabetiker an Magen-Darm-Problemen. Von einer chronischen Verstopfung sind je nach Studie zwischen 20 und 60 Prozent aller Diabetiker betroffen. Da die Obstipation eine gewisse Altersabhängigkeit aufweist, wird sie häufig bei Typ-2-Diabetikern mit normalen gesundheitlichen Veränderungen, die im Alter auftreten, in Zusammenhang gebracht. Gründe wieso gerade bei Diabetikern der Darm oft zu spät entleert wird sind einerseits die Multimorbidität, d. h. das häufige Zusammentreffen zahlreicher Erkrankungen mit zunehmendem Alter, und anderseits die "Nervenschäden" durch den Diabetes im Bereich des Dickdarms, die die Tätigkeit der Dickdarmmuskulatur beeinträchtigen („autonome Neuropathie“).


Worüber klagen die Patienten?


Über Stuhlprobleme reden die meisten Menschen nicht freiwillig, sondern sie müssen gezielt dazu befragt werden. In der Regel klagen sie über "klumpigen Stuhl", häufig über Blähungen, starkes Völlegefühl nach den Mahlzeiten, gelegentlich auch über Übelkeit und das Gefühl, "einen Stein im Bauch" zu haben. Manchmal berichten Diabetiker auch über einen Wechsel von Verstopfung und insbesondere nächtlichen Durchfällen. Starkes Pressen beim Stuhlgang kann zum einen bestehende Hämorrhoiden verstärken, zum anderen aber auch den Blutdruck unnötigerweise in die Höhe treiben.


Die Diabeteseinstellung ist entscheidend!


Gelegentlich liegen bei Diabetikern eine Verstopfung und gleichzeitig eine Inkontinenz vor, also eine Unfähigkeit, den Stuhl zu halten. Dies kann zu einer besonders starken Beeinträchtigung im Alltag führen. Eine Studie bei über 1500 erwachsenen Diabetikern in Australien zeigte, dass besonders diabetische Frauen von einer Verstopfung betroffen sind. Auch nichtdiabetische Frauen sind häufiger als Männer von einer chronischen Obstipation betroffen. In diesem Zusammenhang scheint insbesondere die Güte der Diabeteseinstellung eine Rolle zu spielen, nicht dagegen die Diabetesdauer und die Art der Behandlung. Patienten, die schlecht eingestellt waren, gaben deutlich häufiger Probleme mit dem Darm an als Patienten mit einer guten Stoffwechseleinstellung.


Wie wird eine Obstipation diagnostiziert?


Viele Diabetiker haben mit zunehmendem Alter häufig mehrere Erkrankungen: Die autonome Neuropathie, aber auch funktionelle Störungen, psychische Einflüsse und normale Alterserscheinungen können eine Rolle spielen. Die Diagnostik muss der Arzt deshalb in jedem Fall individuell planen. Mit einer "Basisdiagnostik" (z. B. Dickdarm-/Enddarmspiegelung, Laboruntersuchungen, Inspektion des Afters, Ultraschall etc.) kann er eine mögliche organische Ursache ausschließen. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, da die Häufigkeit des Stuhlgangs in der Bevölkerung oft sehr unterschiedlich bewertet wird. Von chronischer Obstipation spricht man erst, wenn weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche erfolgen, verbunden mit harten Stühlen und Schwierigkeiten beim Stuhlgang.


Wie wird behandelt?


Die Darmbeweglichkeit hängt nach heutiger Kenntnis auch relativ stark von der Güte der Blutzuckereinstellung ab, so dass eine Optimierung der Blutzuckereinstellung höchste Priorität hat. Außerdem sollten als mögliche Ursache bestimmte Medikamente beachtet
werden (Beruhigungsmittel, Opiate, Psychopharmaka, aber auch krampflösende Mittel, Eisenpräparate). Da häufig, wenn keine organische Ursache gefunden wurde, eine ursächliche Therapie nicht möglich ist, steht therapeutisch an erster Stelle eine symptomatische Behandlung zur Verbesserung des Stuhlgangs ("Abführmittel/Laxantien"). Dabei muss unbedingt auf deren Nebenwirkungen und das Zusammenwirken mit anderen Medikamenten geachtet werden. Vor der Einnahme von Abführmitteln sollte man es mit regelmäßiger ballaststoffreicher Kost wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte versuchen, dazu reichlich trinken und sich regelmäßig bewegen - sofern keine Herzschwäche vorliegt. Abführmittel sollten möglichst nur kurzfristig und mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden, da bei ihnen die Gefahr von Blutsalzverlusten, insbesondere von Kalium (kann zu Herzrhythmusstörungen führen), besteht - dies kann eine Verstopfung zusätzlich verstärken. Verwendete Substanzen sind Quell- und Füllstoffe wie Weizenkleie und Leinsamen oder osmotische Abführmittel, die im Darm Wasser binden, wie Laktulose, Milchzucker, Sorbit sowie bestimmte Salze wie Bitter- und Glaubersalz. Bei der Anwendung von Abführmitteln ist es wichtig darauf zu achten, dass ausreichend viel Flüssigkeit getrunken werden muss.


Das Fazit


Zusammenfassend kann man sagen, dass die Verstopfung insbesondere bei älteren Diabetikern eine ernstzunehmende und wichtige Komplikation darstellt, deren Ursache meist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Bei der Behandlung stehen neben der optimalen Diabeteseinstellung besonders Allgemeinmaßnahmen im Vordergrund, gelegentlich aber auch der frühzeitige und konsequente Einsatz von "Abführmitteln". Da es hierbei häufig zu Blutsalzverlusten mit der Gefahr von u.a. Herzrhythmusstörungen (Kaliumverlust) kommt, sollten diese langfristig nur in Abstimmung mit dem Arzt eingenommen werden.


Tipps für eine gesunde Verdauung

 

  • Faser- und ballaststoffreiche Ernährung
  • Genügende Flüssigkeitszufuhr - mindestens 1,5 Liter am Tag
  • Regelmäßige Bewegung - zum Beispiel Radfahren oder Spazierengehen
  • Täglich zum gleichen Zeitpunkt auf die Toilette gehen, so gewöhnt sich der Darm daran
  • Mahlzeiten regelmäßig und in Ruhe einnehmen
  • Keine langandauernde Einnahme von Abführmitteln
  • Entspannungsübungen oder autogenes Training

Quellen: Diabetes-Journal 1/2003 Artikel von Chefarzt Dr. med. und Gerhard-W. Schmeisl www.tms-online.net

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