Ich habe Diabetes. Bin ich gut behandelt? Kann ich beruhigt sein?


Viele Menschen mit Diabetes haben Angst vor Langzeitkomplikationen. Diese Angst ist legitim und stellt einerseits einen starken Motivationsgrund dar, andrerseits kann sie aber sehr die Lebensqualität einschränken.

Ein Artikel von Prof. Grimaldi in der Zeitung der französischen Diabetikervereinigung relativisiert diese Ängste, wenn der Patient verantwortungsbewusst handelt.

In Frankreich gibt es pro Jahr 500 à 1000 Erblindungen, 2300 Nierenversagen mit Dialysenotwendigkeit, 30000 Herzinfarkte, 15000 Schlaganfälle, 8500 Amputationen.

Man kann sich über diese Ängste hinwegtäuschen, aber man kann auch der Realität ins Auge sehen und dabei beruhigt bleiben.

Bei regelmäßigem Augenarztbesuch ist die Gefahr zu erblinden wirklich minimiert. Mit den fortschreitenden Entwicklungen in der Medizin werden richtige Katastrophen in Sachen Retinopathie seltener.

Komplikationen stehen in engem Zusammenhang mit der Blutzuckereinstellung, welche durch das HbA1c ausgedrückt wird.

1 Punkt HbA1c entspricht ungefähr einem Mittelwert von 0,30 g Glukose während ungefähr 2 Monaten, also:

  • 6% HbA1c entsprechen 1,20 mg/dl
  • 7% HbA1c entsprechen 1,50 g/l bis 1,55 mg/dl
  • 8 % HbA1c entsprechen 1,80g/l oder 1,90 mg/dl


1 Punkt HbA1c mehr heißt 30% mehr Komplikationen, aber umgekehrt ist es auch so:1Punkt HbA1c weniger heißt auch 30% weniger Komplikationen an Augen, Nieren und Füssen ,aber der Gewinn ist schwerwiegender bei einer Senkung von 10 auf 9% als von 7,5 auf 6,5%.


Mit welchem Ziel HbA1c kann ich beruhigt sein?


7% ist sicherlich ein realistisches Ziel für die meisten Menschen mit Typ II Diabetes, die noch eine Restinsulinausschüttung besitzen. Jedoch: 50% der Patienten haben höhere Werte….

Menschen mit Typ I Diabetes, welche keine Insulinsekretion mehr haben, riskieren vielleicht allzu viele Unterzuckerungen mit einem Ziel-HbA1c von 7%. Sie werden auch mit 7,5 gut eingestellt sein. Typ I Diabetiker benötigen eine sehr starke Motivation, wenn sie ihr HbA1c auf 6,5% zielen.

Alle Diabetologen stimmen aber überein, dass ein HbA1c von 8% als unzureichende Einstellung zu betrachten ist. (Blutzucker im Mittel bei 180-190 mg/dl)

Neben der Blutzuckereinstellung spielen auch Bluthochdruck(über 130/80 mm Hg), Fettstoffwechsel (Cholesterin und Triglyceride), Tabakkonsum, übermäßiger Stress, abdominales Fett, Ernährung mit wenig Obst und Gemüse und Fisch, sowie genetische Faktoren ihre Rolle. Diese Faktoren können durch Lebensstiländerungen und Willenskraft verändert werden. So fallen Schicksalsmomente, die wir nicht beeinflussen können weniger ins Gewicht.

Auch wenn die Medien von den dramatischen Komplikationen des Diabetes berichten, dürfen wir nicht vergessen, dass bei guter Kontrolle:

  • 98% der Menschen mit Diabetes nicht erblinden

  • 90% nicht amputiert werden

  • 80% nicht dialysepflichtig werden

  • 50 % keinen Herzinfarkt erleiden


Man darf nicht vergessen, dass es möglich ist ein zuversichtlicher Mensch mit Diabetes zu sein mit ähnlicher Lebensqualität wie ein gesunder Mensch.


Zusammenfassung
 

  • HbA1c unter 7% für Typ II Diabetiker
  • HbA1c unter 7,5% für Typ I Diabetiker
  • Blutdruck unter 130/80 mmHg (am Arm bestimmt)
  • LDL (böses Cholesterin) unter 1,30g/l
  • HDL (gutes Cholesterin)über 0,40g/l)
  • Kein Tabakkonsum
  • Bei mehreren kardiovaskulären Risiken ist eine kleine Aspirindosis angezeigt, wenn keine Verdauungskontraindikationen vorliegen und der Blutdruck gut eingestellt ist.


Darum soll :

  • Alle 3 Monate der HbA1c bestimmt werden
  • Bei jeder Konsultation der Blutdruck und das Gewicht bestimmt werden
  • Alle Jahre :
    • Bestimmung von Cholesterin, Triglyceriden, HDL-Cholesterin
    • Kreatininwert
    • Mikroalbuminurie auf Probe oder gegebenenfalls auf 24 Stundenurin
    • Kardiogramm
    • Fußuntersuchung (Puls und Sensibilität)
    •  

 

Danièle Rasqué
Kurzfassung und Adaptation eines Artikels von Pr. André Grimaldi, Paris erschienen in Equilibre n°251

 

 

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