HbA1c - Der Blutzuckerlangzeitwert
Gute Blutzuckerwerte sind der beste Schutz vor Folgeerkrankungen des Diabetes. Deshalb ist es notwendig, regelmäßig die aktuellen Blutzuckerwerte zu messen, um zu sehen, ob diese in Ordnung sind. Aber die tägliche Bestimmung des Blutzuckers ist nur eine Momentaufnahme und von vielen Faktoren abhängig wie der Tageszeit, der Wirkung von Medikamenten/Insulin oder der Nahrung.
Um daher abschätzen zu können, wie gut Ihre Blutzuckereinstellung wirklich ist, ist es sinnvoll, die Güte Ihrer Blutzuckereinstellung regelmäßig mit Hilfe des Langzeitzuckerwertes (HbA1c zu bestimmen.
Langzeitgedächtnis der Blutzuckerwerte
Die Methode ist recht einfach. Da sich der Zucker im Blut mit dem Blutfarbstoff der roten Blutkörperchen Hämoglobin (daher die Abkürzung „Hb“; „A1c“ bezeichnet eine Untergruppe) verbindet, nimmt mit jedem Anstieg des Blutzuckers die Verzuckerung der roten Blutkörperchen zu. Bei der Bestimmung des HbA1c-Wertes wird im Labor aus dem Blut der Grad der Verzuckerung der roten Blutkörperchen analysiert. Da sich diese alle 8 bis 12 Wochen erneuern, spiegelt der HbA1c-Wert die durchschnittliche Blutzuckereinstellung etwa in diesem Zeitraum wider. Man bezeichnet daher den HbA1c-Wert auch als das „Blutzuckergedächtnis“.
Keine kurzzeitigen Blutzuckerschwankungen
Der HbA1c-Wert gibt an, wie die durchschnittlichen Blutzuckerwerte über den Zeitraum von 6 bis 8 Wochen gewesen sind. Je höher der Blutzucker im Durchschnitt somit war, desto mehr Zuckerteilchen haben sich an den roten Blutkörperchen angelagert. Das Resultat: ein erhöhter HbA1c-Wert. Allerdings verändert sich der HbA1c-Wert nicht durch einmalig erhöhte Blutzuckerwerte, sondern erst dann, wenn die Blutzuckerspiegel über längere Zeit in höheren Bereichen gelegen haben. Die Anlagerung des Zuckers an die roten Blutkörperchen ist ein relativ langsamer Vorgang, der während der ersten Stunden rückbildungsfähig ist. Daher haben kurzzeitige Blutzuckerspitzen auch fast keinen Einfluss auf den HbA1C-Wert. Auch stark wechselnde Blutzuckerwerte mit sehr hohen und niedrigen Werten spiegeln sich nicht in einem schlechten HbA1c-Wert wider.
Alle drei Monate bestimmen lassen
Bei der Interpretation des Wertes muss man auch wissen, dass sich nicht alle roten Blutkörperchen zur selben Zeit erneuern. Aus diesem Grund bessert sich der HbA1c-Wert nicht sofort, wenn sich die Blutzuckerwerte verbessern. Die Experten empfehlen daher, den HbA1-Wert alle drei Monate bestimmen zu lassen, da in diesem Zeitraum alle Blutkörperchen neu gebildet wurden. Leider wird die Interpretation der Ergebnisse dadurch erschwert, dass in verschiedenen Labors immer noch unterschiedliche Verfahren eingesetzt werden, deren Normalbereiche voneinander abweichen können. Deshalb ist es wichtig, den Normbereich des Labors zu kennen, welches Ihren eigenen Wert bestimmt hat – um eine Aussage treffen zu können, in wie weit der eigene Wert vom Normalbereich entfernt liegt. Bei den meisten Laborverfahren liegt der HbA1c-Wert bei gesunden Menschen zwischen 5 und 6 Prozent.
Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft hat erst kürzlich bekräftigt, dass in aller Regel nicht nur für Typ-1-Diabetiker, sondern auch für Typ-2-Diabetiker mindestens ein HbA1c-Wert von 6,5 bis 7,0 Prozent anzustreben ist, wenn gleichzeitig mit der Therapie schwere Unterzuckerungen und eine wesentliche Gewichtszunahme vermieden werden.
Günstige Zielbereiche
Auf jeden Fall verbesserungswürdig sind Werte über 7,5 Prozent. Allerdings sollten Sie Ihren Arzt nach dem für Sie günstigen HbA1c-Wert fragen, da dieser Zielwert von einer Reihe von Faktoren abhängen kann wie Ihrem Alter, Ihrer Diabetesdauer, dem Auftreten von Folgeerkrankungen oder Ihrer Fähigkeit, Unterzuckerungen wahrzunehmen. Gemeinsam mit Ihrem Arzt sollten Sie festlegen, welcher Blutzuckerlangzeitzielwert für Sie im nächsten Quartal sinnvoll ist und diesen HbA1c-Wert in die Rubrik „Behandlungsziele“ im Gesundheits-Pass eintragen.
Die Formel für Sie
Übrigens: Wenn Sie wissen möchten, welche durchschnittlichen Blutzuckerwerte Sie dafür anstreben sollten, können Sie dies mit folgender Formel selbst annähernd ausrechnen:
HbA1c (%) × 33,3 – 86 = durchschnittlicher Blutzuckerspiegel (in mg/dl).
Bei einem HbA1c-Wert von 7 Prozent wären dies 147 mg/dl (8,2 mmol/l).
Dr. Dipl.-Psych. Bernhard Kulzer
Psychologischer Psychotherapeut Psychodiabetologe
Fachpsychologe DDG Diabetes Zentrum Mergentheim
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