Typ 2-Diabetes bei Kindern


Gibt es auch Typ 2-Diabetes mellitus bei Kindern und Jugendlichen?


Die weitaus häufigste Art der Zuckerkrankheit bei Kindern und Jugendlichen ist der Typ 1-Diabetes mellitus. Ein Typ 2-Diabetes mellitus tritt typischerweise bei Erwachsenen auf und war lange Zeit nach der geltenden Lehrmeinung bei Kindern und Jugendlichen nicht vorzufinden, wenn man von der genetisch, seltenen Form, früher als MODY bezeichneten Diabetes (Maturity Onset Diabetes In the Young), absieht.

Seit kurzem häufen sich aber Berichte über das Vorkommen einer beträchtlichen Anzahl übergewichtiger Jugendlicher mit manifestem Typ 2-Diabetes mellitus. Amerikanische, japanische und nordafrikanische Studien berichten von einer Inzidenz von 7 bis 25 pro 100.000 besonders nach Einsetzen der Pubertät. Als erstes europäisches Land berichtete eine Region Großbritanniens kürzlich von einer Inzidenz von 1,5 pro 100.000.


Welche Risikofaktoren bestehen für den Typ 2-Diabetes bei Kindern?


Die wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten des Typ 2-Diabetes mellitus bei Jugendlichen waren in mehreren Studien das Vorliegen einer Adipositas und eine positive Familienanamnese für Typ 2-Diabetes mellitus.Dabei wurde auch deutlich, dass es Jugendliche gab, die wohl schon jahrelang eine diabetische Stoffwechsellage hatten, ohne dass dies registriert wurde.

Die Prävalenz des Typ 2-Diabetes mellitus bei Jugendlichen mit Adipositas ist bei bestimmten ethnischen Populationen besonders hoch und genetische Faktoren spielen hier neben der Adipositas eine bedeutende Rolle.

Dies gilt z.B. für Amerikaner afrikanischer Herkunft, Personen mexikanisch-amerikanischer Abstammung und Menschen
südasiatischer bzw. arabischer Herkunft. Die ethnische Herkunft ist also ein weiterer Risikofaktor für einen frühmanifesten Typ 2-Diabetes mellitus.

Da auch in Europa zahlreiche Erhebungen auf eine dramatische Zunahme der Prävalenz und des Ausmaßes der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen hinweisen, ist davon auszugehen, dass der Typ 2-Diabetes mellitus und eine pathologische Glukosetoleranzstörung entgegen der bisherigen Annahme auch in unseren Gegenden im Kindes- und Jugendalter vermehrt vorkommen.


Wie kann man in der Pädiatrie zwischen Typ 1- und Typ 2 -Diabetes unterscheiden?


Jugendliche mit Typ 2-Diabetes mellitus haben häufig keine Symptome.

Auf Nachfrage liegen aber bei Kindern und Jugendlichen bei Diabetes-Manifestation klassische Symptome der Hyperglykämie und ein erhöhter nüchterner (über 120 mg/dl kapillär) oder postprandialer Blutzuckerwert (über 200 mg/dl kapillär) vor.

In Zweifelsfällen kann ein oraler Glukose-Toleranz-Test mit Heranziehung des zwei Stunden-Werts (Diabetes: über 200 mg/dl) durchgeführt werden.

Acanthosis nigricansKlinische Symptome und Laborbefunde helfen dabei zwischen Typ 1- und Typ 2-Diabetes zu unterscheiden (s. Abb.) Typischerweise verläuft der Beginn der Erkrankung schleichender ab, als bei der Manifestation des Typ 1-Diabetes.

Üblicherweise wird eine Hyperglykämie ohne Ketonkörper gefunden.

Bei ausgeprägter Adipositas, Vorliegen einer Acanthosis nigricans (s. Foto), Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe mit erhöhtem Risiko für frühzeitigem Typ 2-Diabetes und einer entsprechenden Familienanamnese, sollte ein Typ 2-Diabetes erwogen werden.


Welche Behandlungsziele werden beim Typ 2-Diabetes im Kindes- und Jugendalter verfolgt?


Wie beim Typ 1-Diabetes im Kindesalter gelten vergleichbare Ziele der Stoffwechseleinstellung (z.B. HbA1c unter 7%) und Normalität der psychosozialen Entwicklung mit dem langfristigen Ziel der Verhinderung von Folgeerkrankungen.

Hinzu kommt eine erfolgreiche Behandlung der Begleiterkrankungen von Typ 2-Diabetes und Adipositas wie Normalisierung von erhöhten Blutfetten oder Blutdruck.

Alle Patienten wie auch die Familie sollten mit einem Schulungsprogramm für Jugendliche mit Typ 2-Diabetes im Selbstmanagement der Erkrankung ausgebildet werden.

Ernährungsberatungen von Patient und Familie sowie eine Anleitung zur Steigerung der körperlichen Betätigung sind selbstverständliche Komponenten eines Behandlungsplans.


Welche Therapie des Typ 2-Diabetes wird im Kindes- und Jugendalter empfohlen?


Ebenso wie im Erwachsenenalter muss man davon ausgehen, dass sicher nur zehn Prozent oder weniger der Patienten langfristig mit nichtmedikamentösen Maßnahmen die Behandlungsziele erreichen werden.

Das Mittel der ersten Wahl in der medikamentösen Therapie ist Metformin. Gegenüber Sulfonylharnstoffen ist bei ähnlicher Reduktion des HbA1c das fehlende Hypoglykämie-Risiko, der positive Effekt auf den Gewichtsverlauf und die Senkung von LDL Cholesterin- und Triglyceridspiegeln durch Metformin für die Wahl ausschlaggebend.

Bei nicht ausreichend erfolgreicher Monotherapie werden von einigen Klinikern weitere orale Antidiabetika in Kombination eingesetzt, während andere dann gleich mit Insulin beginnen.

Bei ausgeprägter Klinik mit massiver Hyperglykämie und initialer HbA1c-Erhöhung über 10% fangen viele Pädiater sofort mit einer Kombination von Metformin und Insulin an.

Eine einheitliche Empfehlung bezüglich der für Jugendliche mit Typ 2-Diabetes am besten geeigneten Insulin- bzw. Kombinationstherapie liegt gegenwärtig nicht vor.

zusammengefasst aus © diabetes-world.net

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