Zöliakie und Typ 1 Diabetes
Menschen mit Typ-1-Diabetes entwickeln häufiger als andere Menschen eine Unverträglichkeit gegenüber dem Getreideeiweiß Gluten. Umgekehrt erhöht eine Glutenunverträglichkeit, auch Zöliakie genannt, das Risiko für diese Form des Diabetes.
Diabetes und Zöliakie: öfter gemeinsam!
Typ-1-Diabetiker haben ein 5- bis 10-fach erhöhtes Risiko für eine Glutenunverträglichkeit. Anhand von Blutuntersuchungen weiß man, dass Typ-1-Diabetiker vermehrt Abwehrstoffe gegen Gluten im Blut haben. Mittlerweile sind darüber hinaus Gene bekannt, die das Risiko erhöhen, sowohl an Zöliakie als auch an Typ-1-Diabetes zu erkranken.
Zöliakie und Typ-1-Diabetes sind beide so genannte Autoimmunkrankheiten, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Bei der Zöliakie löst das Eiweiß Gluten, das in Weizen-, Roggen-, Hafer- und Gerste-Körnern vorkommt, Entzündungsreaktionen in der Dünndarmschleimhaut aus. Bei Typ-1-Diabetes attackiert das Immunsystem die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse und zerstört diese.
Von Zöliakie sind in der Normalbevölkerung nur ca. 0,5% betroffen, bei Typ-1-Diabetikern ist diese Zahl bedeutend höher: ca. 5-7% aller Typ-1-Diabetiker haben auch Zöliakie und ebenso ca. 5% der Zöliakiepatienten einen Diabetes mellitus. Dabei wird der Diabetes meist vor der Zöliakie entdeckt und ist mit den typischen Symptomen schnell und einfach diagnostizierbar; die Zöliakie verursacht dagegen oft eher milde Symptome, die nicht oder erst spät als Zöliakie erkannt werden. Es gibt aber auch Menschen, die zuerst Zöliakie bekommen und später Diabetes.
Bei Typ-2-Diabetikern kommt die Zöliakie nicht häufiger vor als in der Normalbevölkerung - durch die steigenden Zahlen beim Typ-2-Diabetes könnte die Gruppe der Patienten mit Typ-2-Diabetes und Zöliakie jedoch auch anwachsen und wegen der dann nötigen Diät mehr Aufmerksamkeit verlangen.
Doch was ist die Zöliakie?
Die Zöliakie, welche bei Erwachsenen oft auch Sprue genannt wird, ist eine chronische Krankheit, die bei Kindern oder Erwachsenen durch die Aufnahme von Mehlspeisen ausgelöst wird. Als Ursache der Zöliakie liegt eine Überempfindlichkeit des Dünndarmes auf Gluten (oder Gliadin) vor, das sogenannte Klebereiweiss, welches in Getreidearten enthalten ist. Gliadin und ähnliche Eiweisskörper finden sich in den Hauptgetreidesorten Weizen, Roggen, Gerste und Hafer sowie in selteneren Getreidearten (z.B. Dinkel, Grünkern). Nach Kontakt mit diesen Eiweissstoffen, reagiert die überempfindliche Darmschleimhaut mit einer typischen Veränderung, welche die normale Aufnahme von Nahrungsstoffen allmählich vermindert. Als Folge dieser ungenügenden Verdauungsfunktion kommt es zu Durchfällen, zu Mangelzuständen und zu einer fortschreitenden Gedeihstörung.
Diagnose
Besteht auf Grund von klinischen Zeichen oder aus Resultaten bestimmter Blutuntersuchungen der Verdacht auf eine Zöliakieerkrankung, so muss die Diagnose mit einer Dünndarmbiopsie gesichert oder ausgeschlossen werden. Dabei wird aus dem Dünndarm mit einer Sonde oder bei einer Darmspiegelung ein kleines Gewebestück entnommen, das anschliessend genau untersucht werden kann. Unter dem Mikroskop findet man das ganz typische Bild einer atrophen, flachen Schleimhaut ohne Zotten. Durch eine derartig veränderte Schleimhaut kann natürlich die Nährstoffaufnahme nicht mehr regelrecht erfolgen: es kommt zu einer Fehlverdauung (Malabsorption/Maldigestion).
Eine Zöliakie kann aber in vielen Fällen stumm oder ohne schwere Krankheitszeichen verlaufen, gleichzeitig aber die Stoffwechseleinstellung eines Diabetikers schwierig machen. Bei Verdacht sollte deshalb bei Typ-1-Diabetikern im Blut nach Hinweisen auf eine solche Erkrankung gesucht werden. Wie die Inselzellantikörper beim Typ-1-Diabetiker, so können auch die Anti-Gliadin-Antikörper und andere zöliakiespezifische Antikörper (sog. Anti-Endomysium-Antikörper) bei Patienten im Blut nachgewiesen werden. Sollten diese Antikörperbestimmungen wiederholt positiv ausfallen, so muss mittels der Dünndarmbiopsie die Diagnose bestätigt werden. Denn nur die richtige Diät, resp. die Kombination beider Ernährungsstrategien für Zöliakie und Diabetes erlaubt eine gute Blutzuckereinstellung und gleichzeitig ein normales Wachstum.
Warnsymptome, 
welche bei Kindern oder Jugendlichen mit Diabetes mellitusTyp 1 an eine mögliche Zöliakie denken lassen müssen:
• Schlechtes Gedeihen oder Gewichtsverlust trotz Einhalten einer fixen Kalorienmenge
• auffällig massige Stühle, chronische Durchfälle, ev. Verstopfung (ca. 10%)
• grosser, vorgewölbter Bauch
• häufige Blähungen, Bauchschmerzen
• Blässe der Haut
• Erbrechen über längere Zeit
• schlechter Appetit
• bei längerer Dauer der Erkrankung: Gedeihstörung und Minderwuchs
• Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche
• Wassereinlagerung ins Gewebe (Oedeme) bei stärkerem Eiweissverlust
• psychische Veränderungen (Müdigkeit, Missmutigkeit, Reizbarkeit, depressive Verstimmung)
Behandlung
Durch das Weglassen des Glutens aus der Ernährung eines Zöliakiepatienten kann sich die erkrankte Darmschleimhaut erholen und ihre normale Funktion wieder aufnehmen. Für die zu meidenden Geteideprodukte (alle Lebensmittel die Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer enthalten) gibt es zahlreiche Ersatzprodukte. Glutenfreie Back- und Teigwaren können aus Mais, Reis, Buchweizen, Hirse, Soja und Kartoffelmehl hergestellt werden. Patienten fühlen sich unter der entsprechenden Diät rasch besser, die abnormen Stühle normalisieren sich und der Patient nimmt wieder an Gewicht zu. Die Zöliakie ist wie der Diabetes eine chronische Erkrankung und kann nicht medikamentös sondern nur durch eine lebenslang einzuhaltende strikt glutenfreie Ernährung behandelt werden.
Dem Typ-1-Diabetiker mit Zöliakie erleichtert heute die Liberalisierung der Diabetes¬diät die tägliche Ernährung: er kann z.B. beim Kuchenbacken normalen Zucker verwenden und muss sich damit nur um die Schwierigkeiten des glutenfreien Backens kümmern - solange er das Insulin entsprechend richtig dosiert. Das gleiche gilt auch für die anderen mit Zucker gesüßten glutenfreien Nahrungsmittel, so dass der Speiseplan viel abwechslungsreicher gestaltet werden kann als früher. Im Gegensatz zum „Nur-Zöliakie-Betroffenen“ muss der Mensch mit Diabetes und Zöliakie nicht nur über die Glutenfreiheit, sondern auch über die enthaltene Kohlenhydratmenge Bescheid wissen und wie schnell das Lebensmittel auf den Blutzucker wirkt, um entsprechend Insulin dosieren zu können. Manche glutenfreie Produkte wirken z.B. durch einen höheren Stärkeanteil schneller oder anders auf den Blutzuckerspiegel ein und der Betroffene muss anders reagieren als z.B. auf die vorher gewohnten glutenhaltigen Vollkornprodukte.
Weitere Informationen finden Sie bei:
Association Luxembourgeoise des Intolérants au Gluten (ALIG a.s.b.l.) www.alig.lu Tel : 520279
Deutsche Zöliakiegesellschaft e.V. (DZG)
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