Wenn die Nerven schmerzen
Die diabetische Neuropathie, chronischer Schmerz

Die diabetische Neuropathie ist eine Erkrankung der Nerven und tritt infolge des Diabetes mellitus auf. Unter dem Begriff diabetische Neuropathie fallen viele verschiedene Störungen, die jeden einzelnen Nerv des Körpers betreffen können.


Die periphere Neuropathie betrifft das durch den Willen beeinflussbare Nervensystem, z.B. die Nerven, die für die Muskelbewegung zuständig sind. Die autonome Neuropathie zieht das unwillkürliche, nicht dem Willen gehorchende Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) in Mitleidenschaft. Dies reguliert z.B. das wechselnde Tempo des Herzschlags oder die Magen-Darmbewegungen bei der Verdauung.

Die periphere Polyneuropathie ist mit 90% die häufigste Form der diabetischen Neuropathien. Hierbei treten die Beschwerden zunächst an den Füssen und Beinen, später manchmal auch an den Händen und Armen auf. Die Patienten klagen über brennende und stechende Schmerzen, die vor allem in Ruhe oder nachts auftreten sowie über Kribbeln und Taubheitsgefühl. Schmerzen, Druck, Berührung und Temperatur empfinden sie nur schwach und später manchmal überhaupt nicht mehr. Fersenreflexe und Kniereflexe können bei der medizinischen Untersuchung häufig nicht mehr nachgewiesen werden. Durch das fehlende Schmerzempfinden wird die Entwicklung eines diabetischen Fusssyndroms gefördert. Bei den meisten Diabetikern betrifft die Nervenschädigung beide Körperseiten.

Bei der autonomen Polyneuropathie hängen die Beschwerden davon ab, welche Körperorgane betroffen sind. Die Nervenfunktionen, welche die Herzschlagfolge und den Blutkreislauf regulieren sind häufig beeinträchtigt und es besteht dadurch die Gefahr eines schmerzlosen Herzinfarktes (Diabetiker habe ein vierfach höheres Risiko, an einem plötzlichen Herztod zu versterben, da der Infarkt sich nicht durch Schmerzen ankündigt). Beim Aufstehen kann der Blutdruck nicht mehr aufrechterhalten werden und dem Patienten wird schwindelig. Ist der Magen-Darm-Trakt betroffen, können Schluckstörungen, Völlegefühl oder wechselweise Durchfall und Verstopfung auftreten. Bei Männern werden Potenzstörungen diagnostiziert. Bei einer Störung des Temperaturempfindens wird nicht erkannt, dass die Wassertemperatur viel zu hoch ist oder bei einer Einschränkung des Schmerzempfindens merkt der Patient nicht mehr wenn er einen Fremdkörper im Schuh hat oder wenn der Schuh zu eng geschnürt ist.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die diabetische Neuropathie beginnt schleichend und oft unbemerkt. Ärzte können zumindest die periphere Nervenschädigung schon frühzeitig mit folgenden Untersuchungen diagnostizieren:

  • Schmerzempfindung (z.B. mit Zahnstocher, Nadel). Es sollte gefragt werden „Ist es schmerzhaft?“ (nicht „Können Sie die Nadel fühlen?“)
  • Berührungsempfindung z.B. mit Wattebausch
  • Vibrationsempfindung mit einer Stimmgabel am grossen Zeh oder am Fussknöchel.

Ausserdem können klinisch-neurologische Untersuchungen durchgeführt werden, wie die Messung der Nervenleitgeschwindigeit. Aber auch wenn die Diagnose ‚diabetische Neuropathie’ ausser Frage steht, gibt es weitere Faktoren, die ihre Ausprägung verstärken können, wie z.B. Wirbelsäulenverschleiss oder vor allem Alkohol. Sollten Zweifel an der Diagnose bestehen muss der Diabetiker an einen Neurologen überwiesen werden.

Therapie

Für die Behandlung der Neuropathie ist zweifelsohne ein langfristig gut eingestellter Blutzuckerstoffwechsel der wichtigste Schritt. Je schlechter die Blutzuckerwerte sind, desto früher und ausgeprägter treten polyneuropathiebedingte Beschwerden auf. Somit ist die Optimierung der Diabeteseinstellung der derzeitige einzige Kausalansatz zur Prävention und Therapie der diabetischen Neuropathie. In der Therapie können zur Linderung der Symptome verschiedene Medikamente wie u.a. B-Vitamine, Antidepressiva und Antiepileptika gegen die neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden. Das Antioxidans Alpha-Liponsäure intravenös verabreicht kann bei einigen Diabetikern die Symptome verbessern. Weitere, neue Medikamente stehen noch in der Erforschung.

Zusammenfassung

Die Früherkennung der diabetischen Neuropathie ist möglich, wenn Sie die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen für Diabetiker wahrnehmen. In den letzten Jahren hat die Forschung über die Entstehung der diabetischen Neuropathie zur Entwicklung neuer Medikamente geführt, die sich im Tierversuch als wirkungsvoll erwiesen und nun am Menschen getestet werden. Da diese aber noch nicht zugelassen sind bleibt im Moment nur die Behandlung der Symptome. Sie können einer Neuropathie nur vorbeugen, indem Sie auf optimale Blutzuckerwerte achten und die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Untersuchen Sie täglich Ihre Füsse, denn dort tritt die Nervenschädigung am ehesten und häufigsten auf. Verzichten Sie auf Alkohol, wenn Sie bereits unter einer Neuropathie leiden, denn Alkohol schädigt die Nerven. Auch für die Prognose gilt, dass nur ein gut eingestellter Blutzucker verhindert, dass die Nervenschäden fortschreiten.

 

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