Diabetische Retinopathie


Augenschäden sind eine spezifische Ausprägung der diabetischen Mikroangiopathie, deren Ursache der zu hohe Blutzucker ist. Er schädigt auf Dauer die kleine Gefäße (Mikroangiopathie) in der Netzhaut der Augen in charakteristischer Weise: Die Gefäßveränderungen an der Netzhaut führen einerseits zu Verschlüssen der Gefäße und damit zu einer Mangelversorgung der Sehzellen, andererseits zu Veränderungen an den Gefäßwänden, so dass Flüssigkeit aus den Gefäßen in das benachbarte Gewebe austritt. Der Arzt spricht von diabetischer Retinopathie (retina (lat.) = Netzhaut).

Die diabetische Retinopathie ist in Europa und Nordamerika die häufigste Erblindungsursache bei Menschen im erwerbsfähigen Alter (20-65 Jahre). Nach 15 Jahren sind 90 % der Typ-1-Diabetiker betroffen; bei Typ-2-Diabetiker zwischen 25 und 33 % schon bei Diabetes-Diagnosestellung. 30 % aller Erblindungen in Europa sind auf die diabetische Retinopathie zurückzuführen.

Es werden prinzipiell zwei Formen der diabetischen Retinopathie unterschieden: die Nicht-proliferative diabetische Retinopathie und die Proliferative diabetische Retinopathie. Davon abzugrenzen ist die diabetische Makulopathie.


Nicht-proliferative diabetische Retinopathie.


Retinopathie 1 Hier beschränken sich die Gefäßveränderungen auf die Netzhaut. Es kommt z.B. zu Blutungen, Aussackungen der Kapillarwänd(Mikroaneurysmen), Ablagerungen (harte Exsudate) und Veränderungen der Venen. Zu diesem Zeitpunkt bemerkt der Patient häufig noch keine Beeinträchtigung seiner Sehkraft.


Proliferative diabetische Retinopathie (PDR)


RRetinopathie avancéeSchreitet die Krankheit fort, bilden sich krankhaft neue Gefäße, die aus der Netzhaut in den Glaskörper wuchern. In diesem Stadium der diabetischen Retinopathie ist das Sehvermögen stark gefährdet. Aus den krankhaften Gefäßwucherungen kann es zu Einblutungen in den Glaskörper kommen, die das Sehen stark beeinträchtigen. Gleichzeitig können die neuen Gefäße die Netzhaut wie "Zugseile" von ihrer Unterlage, der sie ernährenden Aderhaut, ablösen.
 

Beginnende proliferative Retinopathie Proliferierende Retinopathie mit beginnender Blutung Massive Proliferationen in den Glaskörper Durch Traktionen zwischen Gewebsneubildung im Glaskörper und der Netzhaut entwickelt sich eine Traktionsamotio
Retinopathie proliferative débutante  Retinopathie proliférative avec hémorragie  Retinopathie prolifération dans le corps vitré  Retinopathie et cicatrices corps vitré

 

Diabetische Makulopathie


Über die bisher geschilderten Veränderungen hinaus kann eine diabetische Makulopathie auftreten. In diesem Fall ist die Stelle des schärfsten Sehens (Makula) in der Mitte der Netzhaut durch eine Zerstörung der zentralen Sehzellen bedroht. Wird dem Fortschreiten der diabetischen Retinopathie nicht Einhalt geboten, ist das Augenlicht akut gefährdet.


Untersuchung und Behandlung der diabetischen Retinopathie


Die Untersuchung zur Feststellung der diabetischen Netzhautveränderungen ist für den Patienten nicht belastend. Die Pupille wird dazu mit Augentropfen erweitert, um einen besseren Einblick auf die Netzhaut zu erhalten. Neben dieser Spiegelung des Augenhintergrundes (Ophthalmoskopie) gehören je nach Stadium der Erkrankung Verfahren wie die Fluoreszenzangiographie, welche die Blutgefäße der Netzhaut darstellen kann, zur Diagnostik.

Zur Behandlung der diabetischen Netzhauterkrankung gibt es, je nach Stadium, verschiedene Ansätze. Allen gemein ist jedoch, das ein hinreichender Behandlungserfolg nur dann zu erreichen ist, wenn der Diabetes als Grunderkrankung richtig und konsequent therapiert wird. Ohne vernünftige Therapie des Diabetes selbst sind die augenärztlichen Therapiemöglichkeiten in ihrem Erfolg sehr begrenzt. Ist die diabetische Retinopathie noch nicht allzu weit fortgeschrittenen, kann durch die Laserbehandlung der Netzhaut ein weiteres Fortschreiten der Gefäßveränderung verhindert werden. Je früher Gefäßveränderungen durch den Augenarzt erkannt und behandelt werden, umso besser sind die Ergebnisse.

In der Behandlung des diabetischen Makulaödems haben sich durch die Einführung neuer Behandlungsformen und Medikamente in letzter Zeit neue Behandlungsmöglichkeiten ergeben: Injektionen von Wirkstoffen direkt in das Auge haben sich in den letzten Jahren als Therapieverfahren etabliert, auch wenn sie im Bereich der diabetischen Makulo/Retinopathie noch kein absolutes Standardverfahren sind.

Bei schwerwiegenderen Formen, wie Einblutungen in den Glaskörper und diabetesbedingten Netzhautablösungen, kann, dank der Fortschritte in der Netzhaut-Glaskörper-Chirurgie, eine aufwendige Operation (Vitrektomie) diese Augen meist noch vor der völligen Erblindung bewahren .


Vorsorge


Neben den regelmässigen augenärztlichen Kontrolluntersuchungen sollte eine konstant und dauerhaft gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung selbstverständlich sein. Sie sind die besten Garanten, um das Entstehen diabetischen Retinopathie zu verhindern, bzw. das Fortschreiten der Netzhautveränderungen zu unterbinden!

Die erfolgreiche Behandlung der diabetischen Retinopathie hängt von der frühen Entdeckung der Erkrankung und der konsequenten Diabetestherapie ab. Da die diabetischen Augenerkrankungen lange fortschreiten können ohne wesentliche Beschwerden zu verursachen, sollte der Diabetiker grundsätzlich mindestens einmal im Jahr zum Augenarzt gehen. Sollten sich Anzeichen einer diabetischen Augenerkrankung zeigen, sollten die Untersuchungen in kürzeren Zeitabständen wiederholt werden. Auch bei Diabetikerinnen die eine Schwangerschaft planen sollte während der Schwangerschaft öfter kontrolliert werden, da es durch die veränderte Stoffwechsellage zu einer Verschlechterung des Augenbefundes kommen kann.

Allgemein gilt: Wenn der Patient rechtzeitig beim Augenarzt erscheint kann in den meisten Fällen die Behandlung ein Fortschreiten und damit einen Sehverlust verhindern.

Bemerkt der Patient Sehverschlechterungen, sind die Veränderungen der Netzhautgefäße bereits sehr weit fortgeschritten. Die Gefahr einer ernsthaften Sehbehinderung kann nur dadurch abgewendet werden, dass die diabetische Retinopatie gleich zu Beginn erkannt und rechtzeitig behandelt wird. Mit einer Feststellung der Sehschärfe allein - wie z.B. anlässlich einer Brillenbestimmung üblich - kann eine diabetische Retinopathie weder aufgedeckt, geschweige denn ausgeschlossen werden, zumal die diabetischen Augenhintergrunds-veränderungen oft nicht an der Stelle des schärfsten Sehens beginnen.

Ebenfalls ganz wichtig ist die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks, da zu hohe Werte einen zusätzlichen Risikofaktor für Gefäßveränderungen darstellen. Der
Blutdruck sollte unter 140/80 mmHg liegen. Ein zu hoher Blutdruck sollte daher entsprechend behandelt werden.

Da Typ-1- und Typ-2-Diabetiker mit erhöhten Blutfettwerten und ungünstigem Lipidprofil ebenfalls ein höheres Risiko für krankhafte Netzhautveränderungen haben, sollten die Blutfette gesenkt werden. Bei Rauchern altern nicht nur die größeren Gefäße vorzeitig (Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall). Gleichermaßen nehmen die kleinen Gefäße der Netzhaut Schaden, was Entwicklung und Fortschreiten einer Retinopathie begünstigt.

Elke Dietrich
Bibliographie: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle der diabetischen Retinopathie und Makulopathie: Evidenzbasierte Leitlinie DDG – Aktualisierung 11/2004 BVA-Info Diabetische Retinopathie: http://www.augeninfo.de/patinfo/diabret.htm Initiativgruppe Früherkennung diabetischer Augenerkrankungen (IFdA): http://www.diabetes-auge.de http://www.diabetes-news.de http://www.diabetes-world.net

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