Stellungnahme zur „Lantus® Polemik“

Erhöhtes Krebsrisiko durch lang wirksame Insulinanaloga nicht bewiesen.


In zwei von vier heute veröffentlichten Studien zeigt sich bei Menschen mit Typ 2 Diabetes ein erhöhtes Krebsrisiko unter der ausschließlichen Gabe des lang wirksamen Analoginsulin Glargin (Lantus®). In zwei weiteren Studien konnten diese Zusammenhänge jedoch nicht bestätigt werden. Wie die European Association for Study of Diabetes (EASD) fordern auch die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und diabetesDE dringend weitere Analysen, um den möglichen Zusammenhang zwischen lang wirksamen Analoginsulinen und Krebsentstehung aufzuklären.

Menschen mit Diabetes sollten jedoch auf keinen Fall ihre Insulingaben verändern, sondern das Gespräch mit ihrem Arzt suchen. Es ist bekannt, dass Menschen mit Typ 2 Diabetes ein erhöhtes Risiko haben, an Brust-, Darm- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Übergewicht und Bewegungsmangel fördern nicht nur das Entstehen von Diabetes Typ 2, sondern auch das Entstehen verschiedener Krebsarten.

Studien aus Deutschland, Schweden, Schottland und England haben jetzt untersucht, ob die Gabe unterschiedlicher Insuline das Krebsrisiko erhöhen könnte. Ingesamt wurden 301.136 Menschen mit Typ 2 Diabetes beobachtet. 34.392 von ihnen erhielten ausschließlich das lang wirksame Analog-insulin Lantus®. In drei der vier Studien wurde insbesondere die Entstehung von Brust-, Darm-, Prostata- und Bauspeicheldrüsenkrebs untersucht. In allen vier Studien zeigte sich keine erhöhte Krebsgefahr durch Humaninsulin. Anders ist es bei dem lang wirksamen Analoginsulin Glargin: In zwei der Studien zeigte sich bei den Patienten, die ausschließlich mit Lantus® behandelt wurden, ein erhöhtes Krebsrisiko. Zusätzlich bekamen sie in der Regel orale Antidiabetika.

Wurde das langwirksame Insulin Lantus® in Kombination mit anderen Insulinen verabreicht, stellte sich die Situation wieder anders dar: Hier erhöhte sich in keiner der Studien das Risiko, einen Krebs zu entwickeln. In einer der Studien konnte das Krebsrisiko durch die kombinierte Gabe des langwirksamen Insulins mit anderen Insulinen sogar leicht gesenkt werden. Eine weitere Studie fand überhaupt keine Unterschiede in Bezug auf die unterschiedlichen Insulingaben.

Aus diesen Studien wird also nicht klar, ob die Behandlung mit Insulin Glargin mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergeht oder nicht. Weitere Daten und Analysen sind daher erforderlich. Die Befunde dieser Publikationen sind widersprüchlich und lassen keine eindeutigen Schlussfolgerungen zu.

Die EASD weist in ihrer Stellungnahme auf die sehr guten Alternativen hin: Humaninsuline oder auch die Kombination von kurz- und langwirksamen Analoginsulinen haben in allen vier Studien keinerlei erhöhtes Krebsrisiko aufgewiesen. Insbesondere Menschen, die bereits an Krebs erkrankt sind oder Frauen, in deren Familie Brustkrebs gehäuft vorkommt, sollten diese Alternativen mit ihrem Arzt besprechen. Davon unbelastete Patienten, die mit lang wirksamen Analoginsulinen gute Erfahrungen gemacht hätten, bräuchten jedoch keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wichtig ist festzustellen, dass sich aus diesen Ergebnissen keinerlei Hinweise auf die Behandlung von Menschen mit Diabetes Typ 1 ableiten lassen, da es sich hier um eine andere Erkrankung als Typ 2 Diabetes handelt.

Pressemitteilung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft
 

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