IDF-Leitlinie: Auch nach dem Essen messen!
Die Blutzuckerkontrolle bleibt eine tragende Säule eines modernen Diabetesmanagements.
Eine neue Leitlinie der Internationalen Diabetesföderation IDF empfiehlt stärker den Blutzucker nach den Mahlzeiten (postprandial) zu berücksichtigen. Hyperglykämien (Überzucker) nach dem Essen bzw. nach einer Glukosebelastung stellen unabhängige Risikofaktoren für das Auftreten von makrovaskulären Erkrankungen dar (Herzinfarkt, Schlaganfall…)
Der postprandiale Überzucker sollte daher gezielt behandelt werden. Dies ist mit bestimmten Ernährungsweisen und auch mit Medikamenten möglich.
Hohe Werte nach dem Essen (postprandiale Hyperglykämien) wurden lange verharmlost, bisher galten Nüchternglukose und der Langzeitwert HbA1c als die einzig entscheidenden Zielwerte. Zahlreiche jüngere Studien haben jedoch gezeigt, dass sie nicht nur ein wesentlicher Faktor für das Fortschreiten des Typ-2-Diabetes sind, sondern auch gravierende Auswirkungen auf die Entstehung von diabetischen Folgekomplikationen haben. So gehen Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere kardiovaskuläre Risiken bei Diabetikern häufig auf das Konto überhöhter postprandialer Werte. Aus diesem Grund empfiehlt die IDF den Blutzucker nach der Mahlzeit als dritten Therapiewert festzulegen. In ihrer Leitlinie gibt die Organisation vor, dass der zwei Stunden nach dem Essen gemessene Wert nicht höher als 140 mg/dl liegen sollte.
Was bedeutet postprandiale Hyperglykämie?
Bei Menschen mit normaler Glukosetoleranz (NGT) übersteigt der Blutzucker nach der Mahlzeit im Allgemeinen nicht die Grenze von 140 mg/dl. Blutzuckerwerte über 140 mg/dl zwei Stunden nach der Einnahme von 75 g Glukose (oraler Glukosetoleranztest) gelten als postprandiale Hyperglykämie.
Postprandiale Hyperglykämien treten meist schon früh in der Entwicklung eines Diabetes Typ 2 auf und verstärken sich im Lauf der Erkrankung. Sie treten auch bei vermeintlich gut eingestellten Diabetikern auf.
Die Entwicklung der postprandialen Hyperglykämie geht einher mit einer verschlechterten Insulinausschüttung, einer Abnahme der Insulinempfindlichkeit der Zellen und einer zunehmenden Glukoseproduktion in der Leber.
Nach den Ergebnissen großer epidemiologischer Studien sagt der postprandiale Blutzucker besser als der Nüchternblutzucker das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und die Sterblichkeit voraus.
Zielwerte der Stoffwechseleinstellung sind nach den neuen Leitlinien der IDF:
* HbA1c unter 6,5%
* Nüchternblutzucker unter 100 mg/dl
* Blutzucker zwei Stunden nach der Mahlzeit (postprandial) unter 140 mg/dl
Welchen Nutzen bietet eine Behandlung der postprandialen Hyperglykämie?
Es gibt verschiedene Studien die belegen, dass die postprandiale Glukosekontrolle das Risiko für Gefäßschäden senkt.
Auch verschiedene neuere Studien zeigen, dass sich unter gezielter postprandialer Therapie der HbA1c bessert. Von Typ-2-Diabetikern, die nach dreimonatiger Behandlung den gleichen Nüchternblutzucker erreicht hatten, wiesen diejenigen einen besseren HbA1c-Wert auf, die auch bessere postprandiale Glukosewerte zeigten.
Nach dem Essen messen - und Diabetesfolgen vermeiden!
Mit Hilfe der regelmäßigen Selbstkontrolle postprandialer Blutzuckerwerte, kann jeder Diabetiker ohne großen Aufwand viel für die Verbesserung seiner Blutzuckereinstellung tun, so das Resümee der „International Diabetes Federation“.
Zahlreiche jüngere Studien haben gezeigt, dass so Folgekomplikationen, welche häufig durch postprandiale Hyperglykämien bedingt sind, vermieden und damit der Verlauf der Erkrankung positiv beeinflusst werden können.
Quelle: International Diabetes Federation guideline for management of postmeal glucose: a review of recommendations. Ceriello u.M. Diabetic Medicine 25/2008
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