Schwangerschaftsdiabetes
Gestationsdiabetes ist eine weltweit zunehmende Erkrankung und gehört zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen. Aufgrund unterschiedlicher Screeningmethoden und Diagnosekriterien schwanken die Angaben zur Häufigkeit zwischen 1% und 20%. Hierzulande muss bei etwa fünf bis zehn Prozent der Schwangeren mit einem Gestationsdiabetes gerechnet werden. Wird er rechtzeitig erkannt, können Komplikationen für Mutter und Kind weitgehend vermieden werden.
Was ist Gestationsdiabetes?
Als Gestations- oder Schwangerschaftsdiabetes bezeichnet man eine Kohlenhydratstoffwechselstörung (Glukosetoleranzstörung), die erstmalig während der Schwangerschaft auftritt bzw. erkannt wird. Durch die Schwangerschaft reagiert der Körper der Mutter weniger empfindlich auf körpereigenes Insulin. Dies ist so lange unbedenklich, wie die Mutter in der Lage ist, durch Mehrausschüttung von Insulin diese Stoffwechsellage auszugleichen und ihre eigenen Blutzuckerwerte im normalen Bereich zu halten. Reicht das mütterliche Insulin aber nicht mehr aus, steigen die Blutzuckerwerte besonders nach den Mahlzeiten an. Der normale Bereich kann allerdings auch schon vor der Mahlzeit überschritten sein: dann besteht eine Insulin-Unempfindlichkeit, also ein Schwangerschaftsdiabetes.
Der Gestationsdiabetes ist in der Regel eine vorübergehende Glukose-Toleranzstörung, die beim Arzt durch einen Trinkzucker-Belastungstest festgestellt werden kann, bei dem die Blutzuckerwerte bestimmt werden. Gestationsdiabetes bereitet der werdenden Mutter zunächst keine Beschwerden: Das macht ihn so gefährlich! Daher sollte jede Schwangere und jeder Arzt, der Schwangere behandelt, darauf achten, dass während der Schwangerschaft auf einen Gestationsdiabetes untersucht wird. Denn die Stoffwechselstörung kann nicht nur die Mutter, sondern auch ihr Kind schädigen.
Weil der Blutzucker der Mutter über die Nabelschnur zum Kind gelangt, das mütterliche Insulin jedoch nicht, muss das Kind eigenes Insulin ausschütten, um seine Blutzuckerwerte zu normalisieren. Der von der Mutter übertragene Zucker stellt ein erhöhtes Kalorienangebot für das ungeborene Kind dar: Die zusätzlichen Kalorien werden in den Organen des Kindes als Energiespeicher gelagert und es kommt zu übermäßigem Wachstum des Kindes im Mutterleib (im Januar 2008 brachte ein Neugeborener über 7000 g auf die Waage). Außerdem hindert die ständig notwendige Insulinausschüttung die kindlichen Organe an einer normalen Ausreifung bis zur Geburt. So kann es zusätzlich eine Reihe von Problemen gerade in den ersten Lebensstunden des Neugeborenen geben. Diese Kinder haben ein höheres Risiko später fettleibig zu werden. Die Mutter trägt während der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen, Bluthochdruck und für die (Prä-)Eklampsie mit Krampfanfällen. Innerhalb von 10 bis 15 Jahren nach der Schwangerschaft entwickelt die Hälfte dieser Mütter einen chronischen Diabetes Typ 2!
Frühe Untersuchungen können das Risiko mindern
Durch rechtzeitiges Screening auf Vorliegen eines Gestationsdiabetes bei allen Schwangeren könnten die kindlichen und mütterlichen Komplikationen weitgehend vermieden werden. Trotz der schwerwiegenden Folgen erkennen Ärzte oft nicht rechtzeitig den Schwangerschaftsdiabetes. Im Idealfall wird ein oraler Glukose-Toleranz-Test (OGTT) bei alle Schwangeren in der 24. bis 28. Woche durchgeführt. Falls Risikofaktoren vorliegen, sollte dies schon vor der 13. Woche erfolgen. Dazu gehören Übergewicht (Body-Mass-Index ab 27,0 kg/m2), insbesondere bei Fettansatz rund um den Bauch, Diabetes Typ 2 bei Eltern/Geschwistern, extreme Gewichtszunahme während der Schwangerschaft oder frühere Geburt eines übergroßen Kindes.
Therapie
Entscheidend für die Therapie des Gestationsdiabetes sind die Komponenten Schulung, Blutzuckerselbstkontrolle, Ernährungsberatung, Bewegung/sportliche Aktivität und gegebenenfalls die Insulintherapie. Mit dieser Behandlung lässt sich der Diabetes gut behandeln, so dass auch die Risiken für Mutter und Kind auf ein Minimum sinken.
zusammengestellt von Elke Dietrich
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