Schilddrüse und Diabetes

Ein Zusammenhang zwischen Problemen mit der Schilddrüse und Diabetes mellitus wird häufig nicht erkannt. Dabei ist es erwiesen, dass sich Funktionsstörungen der Schilddrüse und Diabetes mellitus gegenseitig massiv beeinflussen können.

Dass sich Störungen im Hormonhaushalt der Schilddrüse und der Bauchspeicheldrüse gegenseitig beeinflussen und auch die Jodzufuhr diese Wechselbeziehung mit bestimmt, wird oft unterschätzt.

Gerade Diabetiker sind häufig nicht ausreichend mit dem Schilddrüsenhormonbaustein Jod versorgt, denn wenn ihr Stoffwechsel nicht gut kontrolliert ist oder sie durch den Diabetes an der Niere erkrankt sind, scheiden sie vermehrt Jod über den Urin aus, was zu einer jodmangelbedingten Schilddrüsenvergrößerung führt.

Diabetes mellitus führt aber nicht nur dazu, dass weniger Jod im Körper zur Verfügung steht. Eine sehr schlechte Stoffwechseleinstellung bzw. -entgleisung (Ketoazidose) wirkt sich bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern auch unmittelbar auf die Schilddrüsenhormone aus: Dabei finden sich erniedrigte Werte für T3 und erhöhte Werte für das biologisch nicht aktive rT3 (reverses Trijodthyronin). T4, fT4 (freies Thyroxin) sowie TSH (reguliert die Bildung von T3 und T4) liegen meist im Normalbereich. Dieses "niedrig-T3-Syndrom" würde normalerweise einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) entsprechen, ist es aber tatsächlich nicht. Vielmehr handelt es sich um eine Schutzreaktion des Körpers in Form einer "Sparschaltung". Die Bedeutung des Syndroms ist allerdings noch nicht endgültig geklärt. Behandelt wird die Grunderkrankung: Die schlechte diabetische Stoffwechsellage wird durch eine engmaschige Blutzuckerselbstkontrolle und eine diätetische oder medikamentöse Therapie normalisiert, was sich positiv auf die Schilddrüsenhormonwerte auswirkt.

Überaktive Schilddrüse

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt dazu, dass Insulin nicht mehr wirkt (gestörte Glukosetoleranz bei 57 Prozent der Patienten) und auch nicht weiter aus der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird (manifester Diabetes mellitus bei 3,5 Prozent der Patienten). Hohe Blutzuckerwerte sind die Folge. So kann es dazu kommen, dass ein bereits vorhandener latenter Diabetes zu einem manifesten Diabetes werden kann. Studien belegen, dass bei über der Hälfte aller unbehandelten Fälle einer Hyperthyreose eine gestörte Glukosetoleranz auftritt und in manchen Fällen zu einer Diabeteserkrankung führt. Bereits diagnostizierte Diabetiker mit der Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion müssen damit rechnen, dass es aufgrund der zusätzlichen Stoffwechselschwankungen trotz einer guten Blutzuckereinstellung zu häufigen Überzuckerungen kommt.

Schilddrüsenunterfunktion

Eine Unterfunktion der Schilddrüse wird oft durch eine Entzündung ausgelöst. Typ-1-Diabetiker erleiden auf Grund der autoaggressiven Prozesse einer Diabeteserkrankung etwa drei- bis fünfmal häufiger eine solche Entzündung der Schilddrüse (Autoimmunthyreoiditis) als gesunde Menschen, die Hauptursache der Schilddrüsenunterfunktion ist. Die Betroffenen müssen darauf achten, dass sie weniger Insulin benötigen als sonst. Wird die Unterfunktion länger nicht erkannt, steigt die Gefahr einer Unterzuckerung.

Besonders bei spät auftretendem Typ-1-Diabetes tritt häufig auch das sogenannte Hashimoto-Syndrom auf. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, deren Symptome mit denen einer Schilddrüsenunterfunktion weitgehend übereinstimmen. Das Syndrom entsteht durch die Bildung von Antikörpern gegen das eigene Schilddrüsengewebe. Eben diese Antikörper finden sich auch bei spät diagnostizierten Typ-1-Diabetikern häufig.

Störungen der Schilddrüse verstärken Diabetes

Die Schilddrüse und deren Hormone sind für das Wachstum sowie für die Kontrolle des Nerven- und Muskelsystems zuständig. Das Zusammenwirken der einzelnen Schilddrüsenhormone ist optimal aufeinander abgestimmt, deshalb führen Störungen in diesen Abläufen zu Stoffwechselentgleisungen. Besonders bei Frauen ab dem 45. Lebensjahr sind solche Entgleisungen häufig, jede Zweite dieser Gruppe ist heute mit einem pathologischen Schilddrüsenbefund diagnostiziert. Bei fehlender Behandlung kann auch Diabetes eine Folge sein, außerdem kann es bei Schilddrüsenpatienten, die zusätzlich unter Diabetes leiden, zu Komplikationen kommen.

Schilddrüse und Jodversorgung

Diabetiker wie Gesunde brauchen täglich den Schilddrüsenhormonbaustein Jod um eine ausreichende Jodversorgung sicherzustellen. Eine Zufuhr von 180 bis 200 Mikrogramm Jod pro Tag wird empfohlen. Da Lebensmittel mit Ausnahme von Seefischen und Meeresfrüchten von Natur aus jodarm sind, werden durch unverarbeitete Lebensmittel nur rund 80 bis 120 Mikrogramm Jod pro Tag aufgenommen. Die Jodversorgung erfolgt heute nicht nur ausschließlich durch den Verzehr von Seefisch, sondern auch über Fleisch, Wurst, Milch und Milchprodukte sowie jodiertes Speisesalz. Und selbst für Menschen mit einer immunologisch ausgelösten Überfunktion der Schilddrüse ist eine normale Jodaufnahme bis 200 Mikrogramm pro Tag, wie sie über die Nahrung erfolgt, nicht schädlich.

Das Thema Schilddrüse nicht nachlässig behandeln

Allgemein gelten Schilddrüsenerkrankungen als weniger schwere Erkrankungen und werden so oft vernachlässigt. Gerade als Diabetiker sollte man jedoch aufgrund der erwähnten Komplikationen regelmäßige Kontrollen einplanen.

Sowohl bei der Schilddrüsenüber- als auch bei der -unterfunktion lässt sich der Diabetes erschwert behandeln. Werden diese Schilddrüsenerkrankungen allerdings korrekt behandelt, normalisieren sich auch die Veränderungen des Kohlenhydratstoffwechsels, der Diabetes ist wieder einfacher einstellbar.

 

Zusammengestellt von Elke Dietrich


Quellen:
www.diabetespartner.de; Carolin Bunge: Schilddrüse und Diabetes – Wechselwirkungen beachten
• diabetes-world.net; Mitteilung des Arbeitskreises Jodmangel
• Schumm-Draeger P-M: Schilddrüsenfunktionsstörungen und Diabetes mellitus - eine unterschätzte Interaktion. Ernährungsumschau, Forschung & Praxis. Umschau Zeitschriftenverlag Breidenstein GmbH, Sulzbach/Ts, 55.Jg, S. 152 - 157, März 2008

 

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