Arterienverkalkung vermeiden. Schlaganfall hat viele Vorboten!
Gehirngefäßkrankheiten sind die dritthäufigste Todesursache und die Hauptursache erworbener Behinderungen im Großherzogtum. Im Jahr 2001 waren hierauf 12% der Todesfälle zurückzuführen. Ganz konkret bedeutet dies, dass im Großherzogtum Luxemburg etwa 4 Schlaganfälle pro Tag auftreten.
Oft heißt es dann: Es traf ihn wie aus heiterem Himmel! Bei genauer Betrachtung erweist sich die Aussage in den meisten Fällen als völlig falsch: Der Schlaganfall kündigte sich an.
Der folgende Artikel soll helfen, die Zeichen zu erkennen und zu reagieren.
In vielen Fällen geht dem eigentlichen Schlaganfall eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns voraus, eine transitorische ischämische Attacke (=TIA, transitorisch = nur zeitweilig, im Prinzip weniger als 24 stunden).Bei etwa einem Drittel der Betroffenen gehen die Beschwerden im Sinne einer TIA vorüber. Bei einem weiteren Drittel treten Behinderungen auf und das letzte Drittel stirbt in der Regel innerhalb des nächsten halben Jahres.
Die Vorboten
Etwa 20 Prozent der Patienten mit einer TIA erleiden im darauf folgenden Jahr einen Schlaganfall. Deshalb scheint es unerlässlich, daß insbesondere Risikopatienten darüber Bescheid wissen, welche Beschwerden als Zeichen eines möglichen Schlaganfalls zu werten sind.
Vorboten eines möglichen Schlaganfalls sind:
- Sprachstörungen im Sinne einer plötzlich verwaschenen Sprache oder der Unfähigkeit, sprechen zu können;
- das plötzliche Auftreten von Sehstörungen, Doppelbildern;
- das plötzliche Problem, sich verständigen zu können, da der Patient nicht mehr in der Lage ist, das Gehörte zu begreifen er reagiert häufig nicht adäquat;
- das plötzliche Auftreten von Gleichgewichtsstörungen Stolpern und Drehschwindel können folgen;
- das plötzliche Auftreten von Kopfschmerzen, die zuvor nie in der Art aufgetreten sind;
- gelegentlich auch das plötzliche Auftreten von Gefühlsstörungen einer Körperhälfte mit Schwäche einer Hand: Häufig werden Getränke verschüttet, Tassen fallen runter bis hin zum kompletten Auftreten von Lähmungen.
Die Risikofaktoren
Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind jene, die Sie auch schon kennen wie das Rauchen, der Bluthochdruck und der Diabetes mellitus selbst.
Dazu kommen folgende weitere Risiken wie Herzrhythmusstörungen, eine koronare Herzerkrankung mit Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße und auch die arterielle Durchblutungsstörung der Beine (pAVK).
Die Mehrzahl der Durchblutungsstörungen des Gehirns (80 Prozent) sind auf eine Engstellung von Blutgefäßen zum Gehirn oder im Gehirn selbst zurückzuführen (Ischämie). Nur etwa 15 bis 20 Prozent sind durch eine Blutung verursacht.
Merke
Der Gehirnschlag ist in den Industrienationen die dritthäufigste Todesursache nach den Herzkrankheiten und Tumoren aber der häufigste Grund vorzeitiger Invalidität und die häufigste lebensbedrohliche neurologische Erkrankung. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Die Diagnose
Sie schildern Ihrem Arzt die Beschwerden, er selbst findet bei Ihnen die klinischen Erscheinungen daneben kann er durch folgende Zusatzuntersuchungen weiter abklären, ob Sie eine Durchblutungsstörung im Gehirn haben:
- Computertomographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT)
- Angiographie (Gefäßdarstellung mittels Kontrastmittel)
- Doppler/-Duplexsonographie (Ultraschalluntersuchung)
- ggf. auch Herzultraschall (Echokardiographie) zum Ausschluss von Thromben im Herzen, die zu einer Embolie, also einer Verschleppung ins Gehirn, führen können.
Selten aus heiterem Himmel
In den seltensten Fällen kommt eine Durchblutungsstörung des Gehirns wie ein Schlag aus heiterem Himmel; in den allermeisten Fällen und bei genauerem Hinsehen waren entsprechende Warnzeichen schon seit längerer Zeit vorhanden. So ist bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und einem metabolischen Syndrom das Risiko für einen Schlaganfall deutlich erhöht vor allem dann, wenn der Betroffene schon seit vielen Jahren einen hohen Blutdruck hat sowie hohe Blutfettwerte. Folgende Personengruppen sollten als Risikopatienten rechtzeitig untersucht und gegebenenfalls behandelt werden:
- Diabetiker, die rauchen;
- Diabetiker, bei denen eine koronare Herzerkrankung bekannt ist,
- Diabetiker, die einen hohen Blutdruck haben,
- Diabetiker, bei denen auch noch eine Durchblutungsstörung der Beine bekannt ist.
Durch harmlose und beliebig oft durchzuführende Untersuchungen wie eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern (Duplex-/Farbduplexuntersuchung) könnte schon ein beachtlicher Teil der Menschen mit Durchblutungsstörungen rechtzeitig erkannt werden.
Harmlose Untersuchungen würden oft helfen!
Auch an der Halsschlagader kann mittels eines Ballonkatheters eine Engstelle geweitet und wie am Herzen auch eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt werden. Darüber hinaus kann durch eine Operation arteriosklerotisches Material entfernt und somit eine hochgradige Durchblutungsstörung beseitigt werden. Präventiv ist der Verlauf einer Arteriosklerose der Halsschlagadern nur zu vermeiden oder hinauszuschieben durch:
- eine optimale Einstellung des Blutdrucks,
- die rechtzeitige konsequente Behandlung des Diabetes mellitus und
- die rechtzeitige und konsequente Behandlung eventuell vorhandener Herzrhythmus- und Fettstoffwechselstörungen.
Das Fazit
Nach wie vor müssen vier von fünf Diabetikern damit rechnen, daß sie früher als Nichtdiabetiker an den Folgen einer Arteriosklerose der Blutgefäße sterben!
Also muß die Prävention der Arteriosklerose höchste Priorität erhalten.
Vieles von dem, was wir gegenwärtig in der Behandlung tun, erscheint angesichts der verheerenden Folgen der Arteriosklerose von recht untergeordneter Bedeutung. Leider erkennen das viele Therapeuten und viele Menschen mit Diabetes, egal ob Typ 1 oder Typ 2, erst viel zu spät.
Ich hoffe, wir können durch Aufklärung und die Aufforderung zu mehr Eigeninitiative etwas daran verändern.
Quellen:
• Diabetes-Journal Heft 5 , 2005 Jahrgang 54
Kontakt: Dr. med.Gerhard-W. Schmeisl Internist Angiologe Diabetologe DDG, Sportmedizin Rehabilitationswesen, Leitender Arzt Deegenbergklinik Burgstraße 21 97688 Bad Kissingen
• Informationsbroschüre des Ministère de la Santé Luxemburg
Bearbeitet von Danièle Rasqué
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